F R A N Z S C H M I D T - B I O G R A P H I E
(1874 / Preßburg - 1939 / Perchtoldsdorf bei Wien)
Die Familie Schmidt - teilweise magyarischer Herkunft -
übersiedelte 1888 nach Wien. Dies bedeutete für das musikalische
"Wunderkind", am damaligen "Konservatorium der Gesellschaft der
Musikfreunde" studieren zu können.
Franz Schmidt beeinflußte das
österreichische, bzw. Wiener Musikleben in verschiedensten Berufssphären:
1896-1911 war er Mitglied der Wiener Philharmoniker, bis 1913/14 auch im
Verband des Hofopernorchesters (als Cellist) engagiert. Als Pädagoge für
Klavier, Violoncello, Kontrapunkt und Komposition bildete er an der gegenwärtigen
Universität für Musik und darstellende Kunst zahlreiche später bedeutende Musiker,
Dirigenten und Komponisten aus.
1925-27 war er Direktor, 1927-31 Rektor der
traditionsreichen Ausbildungsstätte. Zu seinen bekanntesten Schülern zählten
u.a. der Pianist Friedrich Wührer oder Alfred Rosé (Sohn des legendären Quartett-Primus,
Konzertmeister der Wiener Philharmoniker und Schwager Gustav Mahlers, Arnold Rosé).
Von den Komponisten sind Theodor Berger, Marcel Rubin, Alfred Uhl zu nennen.
Franz Schmidt war als Solist, Kammermusiker, Begleiter und Dirigent gleichermaßen
anerkannt und gefeiert. Hinsichtlich seines phänomenalen musikalischen Gedächtnisses
gibt es zahlreiche Anekdoten: Die noch lebenden (oder kürzlich verstorbenen) Schüler
berichten von der unglaublichen Literaturkenntnis aller musikalischer Gattungen, die
der Meister jederzeit präsent hatte.
Hohe Auszeichnungen bezeugen die Wertschätzung
der Zeitgenossen: u.a. der "Franz Josefs-Orden", Dr. h.c. der Universität Wien (wie Anton Bruckner!).
Sein Privatleben stand im "negativen Kontrapunkt" zu dieser erfolgreichen beruflichen
Laufbahn:
Zwei Jugendlieben - beide Frauen waren jüdischer Abstammung -
blieben unerfüllt. Die erste Gattin dämmerte ab 1919 in der Wiener Heilanstalt
"Am Steinhof" dahin, um drei Jahre nach dem Tod des berühmten Gatten im Rahmen der
nationalsozialistischen "Euthanasie" - Kampagne in Deutschland ermordet zu werden.
Die Tochter Emma verstarb unerwartet nach der Geburt ihres 1. Kindes.
Der gebrochene Vater schuf danach seine 4. Symphonie als "Requiem für meine Tochter".
Die zweite Ehe mit einer jüngeren Klavierschülerin brachte dem bereits Anfang der
Dreissigerjahre mit schwersten gesundheitlichen Problemen kämpfenden Künstler die
notwendige Stabilisierung seines Privatlebens. Als Kollege, Freund und Lehrer wurde
Franz Schmidt sehr verehrt. Sein geselliges Wesen ließ ihn bald zum "Wiener" werden:
er liebte gemeinsames Musizieren im Kollegen-Studentenkreis und geistreiche Gesellschaft.
In seinem letzten Lebensjahr wurde der Todkranke mit dem
Beginn des nationalsozialistischen Regimes konfrontiert. Nach dem Tod Alban Bergs und
Franz Schrekers, der Emigration von Arnold Schönberg und Alexander Zemlinsky galt Franz
Schmidt zu Recht als der bedeutendste Komponist der damaligen "Ostmark". (Die Anerkennung,
die dem Schaffen seiner Kollegen Julius Bittner, Wilhelm Kienzl oder Joseph Marx zuteil wurde,
ist nicht mit dem Ansehen und der Stellung Franz Schmidts im damaligen Wiener Musikleben zu vergleichen).
Die Kantate "Deutsche Auferstehung" wurde vom Regime eingefordert, der Komponist ließ die Komposition
jedoch unvollendet und schuf noch zwei inspirierte Auftragswerke für den einarmigen Pianisten
Paul Wittgenstein: das Klarinettenquintett in A-Dur und die (Solo)-Toccata d-Moll - finalisiert
im Sommer und Oktober 1938, wenige Monate vor seinem Tod.
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Zur Zeit der Vollendung der ersten Oper "Notre Dame"
Ende der 20er Jahre
Franz Schmidt mit Joseph Marx und Alexander Wunderer
Sommer 1938, ein halbes Jahr vor seinem Tod
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